Gemeinsam für soziale Gerechtigkeit!

Gemeinsam für soziale Gerechtigkeit!

Von Menschen für Menschen in Schleswig-Holstein

„Strategiepapier 2020 der Landes-Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände Schleswig-Holstein e.V. – Visionen und Ziele“

Wir haben Überzeugungen!

Wir sind Menschen, die sich organisiert haben, um für Menschen da zu sein.

Wir setzen uns ein, weil wir religiöse, humanitäre und politische Überzeugungen vertreten. Unsere gemeinsame Überzeugung ist, dass Frieden, Demokratie und Wohlstand in einer Gesellschaft nur möglich sind, wenn diese Gesellschaft sich ihren Mitgliedern gegenüber sozial und solidarisch verhält.

Sozial zu sein heißt für uns, für Menschen zu sorgen und sie zu stärken. Wir betreuen, bilden und erziehen Kinder, fördern Benachteiligte, versorgen Kranke, pflegen Alte und Bedürftige, lindern Notlagen, bieten Hilfe, Rat und Unterstützung. Solidarisch sein heißt für uns, jedem Menschen die Möglichkeiten zu geben, damit er ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Dazu gehört der Einsatz für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Gerechtigkeit, Teilhabe und Verbesserungen der Lebenslagen sichern.

Unsere Organisation setzt sich aus den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege zusammen:

  • Arbeiterwohlfahrt Landesverband Schleswig-Holstein

  • Caritasverband für Schleswig-Holstein

  • Der Paritätische Schleswig-Holstein

  • Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Schleswig-Holstein

  • Diakonisches Werk Schleswig-Holstein

  • Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein

  • Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein

Wir repräsentieren die Zivilgesellschaft. Wir leisten das, was weder Staat noch Markt gelingt: Wir sorgen für und mit den Bürgerinnen und Bürgern für gerechte Teilhabe, mehr Demokratisierung und für das Gemeinwohl.

Die Zivilgesellschaft steht vor der Zerreißprobe!

Nicht nur in Schleswig-Holstein werden die öffentlichen Mittel knapper, aber die sozialen Probleme größer. Das private Vermögen wächst und konzentriert sich in wenigen Händen.

In einem Teil der Bevölkerung hat sich Armut verfestigt und die Armutsgefährdung weitet sich auf neue Personengruppen aus. Im Gegenzeug verfestigt sich Reichtum in einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung. Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist bedroht.

Die politische Entscheidung, das Soziale dem Marktgeschehen zu überlassen, hat in den sozialen Bereichen zu ruinösen Wettbewerbssituationen geführt. Konkurrenz herrscht, wo wir dringend mehr Kooperation bräuchten.

Wir wollen in diesem ruinösen Wettbewerb dem Gemeinwohl verpflichtet bleiben, wir haben keine Aktionäre zu bedienen. Wir übernehmen Verantwortung, denn wir geben aus, was andere abgeben müssen – für Menschen, die es brauchen. Doch unsere Organisationen und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben inzwischen die Grenzen ihrer Belastbarkeit überschritten. Das wollen wir ändern.

1. Wir beteiligen und vertreten Menschen!

Wir sind für Menschen da – verlässlich! Für sie nehmen wir die anwaltschaftliche Vertretung wahr. Wir setzen uns dafür ein, dass Betroffene noch mehr sich und ihre Interesse direkt einbringen können. Dafür werden wird unser Engagement neu organisieren. Wir wahren und vertreten die Interessen nicht nur jener Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, sondern auch jener, die in der Mitte der Gesellschaft stehen, aber zunehmend verunsichert oder sozial bedroht werden. Wir setzen und dafür ein, dass allen Menschen in Schleswig-Holstein Teilhabe, Solidarität und Gerechtigkeit widerfährt.

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wollen wir einen erheblich intensiveren und kontinuierlicheren Dialog mit den Menschen führen als bisher. Wir werden uns intern so organisieren, dass sich noch mehr Menschen an allen Meinungsbildungs-, Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen aktiv beteiligen können. Denn sie sind diejenigen, die Zeugnis ablegen, die Solidarität und Gerechtigkeit fordern und die berechtigte Interessen haben.

Das heißt: Wir müssen uns das Vertrauen der Menschen und das Recht sie zu vertreten, jeden Tag neu verdienen.

2. Wir mobilisieren und vernetzen Menschen!

Wir werden in Schleswig-Holstein mit den Menschen neue Ideen entwickeln, wie sich soziale Räume für und mit Menschen gestalten lassen. Wir setzen verstärkt auf die Kreativität, das Engagement und den Willen der Menschen, ihr Umfeld und ihre Beziehungen selbstständig und frei gestalten zu wollen.

Wir mobilisieren die Selbsthilfe- und Selbstgestaltungskräfte, stärken sie und machen sie zum Bestandteil unserer Organisationen. So positionieren wir uns auch gegenüber Politik und Wirtschaft.

Wir werden stärkere und neue Netzwerke in den sozialen Räumen knüpfen. Selbst organisierte Netzwerke agieren effektiv und wirkungsvoll. Dafür werden wir uns auch neuer Technologien bedienen und sie gemeinsam mit den Menschen für die Stärkung der Zivilgesellschaft nutzen.

Menschen sind die besten Experten ihrer selbst. In Netzwerken gibt jeder sein Wissen und seine Professionalität weiter, damit alle Menschen das Geben und Nehmen organisieren können und sie zu professionellen Akteuren werden. So bekommt das Soziale in unserer Gesellschaft mehr Gewicht und das Menschliche erhält das Gesicht von Freunden, Familie und Bekannten in der Nachbarschaft oder im Netzwerk.

3. Wir vertrauen den Selbstbestimmungskräften der Menschen!

Professionalität und Qualität unserer Arbeit sind kein Selbstzweck. Wir müssen uns fragen, wie viel Professionalität und Qualität die Menschen, die unsere Dienste in Anspruch nehmen, brauchen und wünschen. Für sie sind wir da. Ihre Ansprüche, Möglichkeiten und Fähigkeiten sind entscheidend für das Maß unserer Qualität und Professionalität.

Das oberste Qualitätsmerkmal unserer Arbeit bleibt: Menschen in die Lage zu versetzen, sich selbst helfen zu können; sie zu befähigen, ein selbstbestimmtes Leben in gesellschaftlicher Teilhabe zu führen. Wir sind immer dann am erfolgreichsten, wenn wir am wenigsten gebraucht werden. Das ist die Wirkung, an der wir uns messen lassen.

4. Wir schaffen faire Arbeit!

Im Strukturwandel Schleswig-Holsteins beweisen wir seit Jahrzehnten: Die am Gemeinwohl orientierten Organisationen leisten einen zentralen Beitrag zur Schaffung und für den Erhalt von Arbeitsplätzen in Schleswig-Holstein.

Schon heute fehlen uns jedoch Fachkräfte. Dieser Mangel wird in Zukunft größer werden.

Mittelkürzungen führen zu einem Anstieg prekärer Beschäftigungsverhältnisse: Drastische Ausweitung der Teilzeit, befristete Beschäftigung und geringe bis rückläufige Vergütungen bedrohen Menschen in ihrer wirtschaftlichen Existenz. Davon sind bei uns vor allem Frauen betroffen. Dies wollen wir nicht länger hinnehmen.

Mittlerweile geraten wir gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den Rand unserer Überzeugungen. Wir wollen bessere und einheitlichere Arbeitsbedingungen bieten und werden, an der Seite unserer Beschäftigten, dafür Möglichkeiten erstreiten.

5. Wir setzen uns für Flüchtlinge und Migranten ein und fördern Integration.

Unser Einsatz unterstützt deutlich und nachhaltig die Bereitschaft unserer Gesellschaft für Humanität, für die An- und Aufnahme des Fremden unter uns.
Es ist unsere Aufgabe, dass wir Menschen, die zu uns kommen oder fliehen, die Wahrnehmung ihrer Menschenrechte ermöglichen. Wir setzen uns für gute Aufnahmebedingungen, Beratung, Rechtssicherheit und Integration ein. Wir grenzen uns gegen jede Form von Diffamierung von Flüchtlingen und Zuwanderern ab.

6. Wir übernehmen Verantwortung, wir fordern Verlässlichkeit!

Gemeinsam mit den Hauptamtlichen schenken Menschen ihre Zeit und Energie für andere. Der freiwillige und ehrenamtliche Einsatz für andere verdient deutlich mehr Anerkennung und Wertschätzung. Dafür machen wir uns in der Gesellschaft stark. In unseren Organisationen werden wir künftig noch stärker für die Unterstützung und Bildung Ehrenamtlicher sorgen, denn wir verbinden professionelle Hilfe mit lokalem Engagement.

Wir leisten viel für Schleswig-Holstein. Für ein Leben in sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit bieten wir unsere ganze Kraft.

Mit ihren vielfältigen Angeboten in der frühkindlichen Förderung, der Kinder- und Jugendhilfe, der Pflege alter Menschen, der Betreuung von Menschen mit Behinderung und der Beratung von Menschen in Not trägt die frei-gemeinnützige Sozialwirtschaft die soziale Infrastruktur im Land. Mit derzeit 83.000 hauptamtlich Beschäftigten ist sie gleichzeitig ein Wirtschaftsfaktor mit erheblichem Beschäftigungs- und Wachstumspotential.

Im Gegenzug für unsere Leistungen benötigen wir einen verlässlichen Sozialstaat als Partner. Wir übernehmen Verantwortung, dafür erwarten wir von unserem Partner:

    • Solide und transparente Rahmenbedingungen, die über den Tag hinaus Bestand haben.

    • Eine bedarfsgerechte Förderung der gemeinnützigen Sozialwirtschaft

    • Politische und gesellschaftliche Anerkennung unserer Leistungen für die Menschen in Schleswig-Holstein.

    • Faire Arbeitsbedingungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Mittel dafür.

Nur wenn wir diese Verlässlichkeit erfahren, können wir als Partner unsere Verantwortung in der Zivilgesellschaft wahrnehmen. Nur dann können wir den sozialen Frieden und Gerechtigkeit in unserem Land wahren.

Für uns gilt: Wir für Gemeinwohl!

Stand: 2017-03-21

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170321-Strategiepapier 2020